Hundert Jahre Jazz
Jazz ist eine Art zu spielen: zusammen, im Moment, nie zweimal gleich. Leg eine Platte auf und hör, wie er sich verändert hat – am Ende spielst du selbst ein Solo.
Louis Armstrong · Duke Ellington · Charlie Parker · Miles Davis · John Coltrane. 🎧 Die Band spielt dein iPad – ähnlich wie die echte, nicht gleich.
Das Programm
Dein Code
Leg dir oben rechts einen Code an, zum Beispiel mia-9b. Dann bleiben deine Antworten und dein Solo gespeichert – auch am nächsten Tag und auf einem anderen iPad.
Bezug zum Lehrplan
Kernlehrplan Musik, Sekundarstufe I (Gymnasium NRW)
Inhaltsfeld 2: Entwicklungen
Inhaltlicher Schwerpunkt: Musik im interkulturellen Kontext: Jazz
Kompetenzerwartungen bis zum Ende der Sekundarstufe I
Rezeption – Die Schülerinnen und Schüler
- beschreiben und analysieren Ausdruck und Gestaltungsmerkmale des Jazz vor dem Hintergrund des interkulturellen Kontextes.
Produktion – Die Schülerinnen und Schüler
- realisieren einfache Blues- und Jazzimprovisationen.
Reflexion – Die Schülerinnen und Schüler
- erläutern wesentliche Gestaltungselemente des Jazz vor dem Hintergrund transkultureller Prozesse.
Ordnungssysteme musikalischer Strukturen: Rhythmik: Beat/Off-Beat, Groove
Wortlaut der Kompetenzerwartungen: Ministerium für Schule und Bildung NRW (Hrsg.): Kernlehrplan für die Sekundarstufe I – Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Musik. Heft 3406, Düsseldorf 2019. Der Lehrplan vergibt keine Kennungen für einzelne Kompetenzerwartungen; zitiert wird deshalb nach Kompetenzbereich und Inhaltsfeld.
Wo der Jazz herkommt
New Orleans um 1900: eine Hafenstadt, in der alles zusammenkam.
Jazz ist nicht erfunden worden, er ist entstanden – aus dem, was in New Orleans nebeneinander erklang. Drei Wurzeln sind besonders wichtig.
1 · Ruf und Antwort
Bei der Arbeit auf den Feldern sang einer vor, die Gruppe antwortete. Dieses Call and Response steckt bis heute in jedem Jazzstück: Ein Instrument fragt, ein anderes antwortet.
2 · Der Blues
Aus denselben Liedern wurde der Blues: zwölf Takte, drei Akkorde, und Töne, die „dazwischen“ liegen – die Blue Notes. Der Blues ist das Gerüst, über das Jazzmusiker bis heute improvisieren.
3 · Ragtime und die Blaskapellen
Um 1900 war der Ragtime die Mode: Klaviermusik mit einem strengen Marsch-Bass links und einer Melodie rechts, die gegen den Takt läuft. Das nennt man Synkope. Dazu kamen die Blaskapellen, die in New Orleans bei Umzügen und Beerdigungen spielten – mit Trompete, Klarinette, Posaune und Trommeln. Genau diese Besetzung hat der frühe Jazz übernommen.
Merke
- Call and Response – einer fragt, die anderen antworten.
- Blue Notes – Töne zwischen den Tasten, sie machen den bluesigen Klang.
- Synkope – ein Ton kommt nicht auf den Schlag, sondern dazwischen.
New Orleans und Swing
1917 bis 1945: vom Straßenumzug in den Tanzsaal.
Alle gleichzeitig: die Kollektivimprovisation
Im frühen Jazz spielt jeder eine eigene Linie – und zwar gleichzeitig: Die Trompete hat die Melodie, die Klarinette umspielt sie von oben, der Bass geht unten mit. Niemand hat ein Solo, alle zusammen ergeben den Klang.
In der Bigband ist es umgekehrt: Da spielen ganze Sätze von Trompeten und Saxofonen dasselbe, aufgeschrieben und geprobt – und nur einer improvisiert dazu.
Das Wichtigste: der Swing
Zwei Achtel werden im Jazz nicht gleich lang gespielt. Die erste ist länger, die zweite kurz – als würde die Musik immer ein bisschen nach vorne fallen. Zieh den Regler und hör dir dieselbe Melodie an.
Die Leute, die das gemacht haben
Zum Hören (wenn die Dateien auf dem Server liegen)
Merke
- Kollektivimprovisation – alle Melodieinstrumente improvisieren gleichzeitig.
- Bigband – große Besetzung, ausgeschriebene Sätze, ein Solist.
- Swing – ungleiche Achtel: lang–kurz, lang–kurz.
Bebop und die Moderne
Ab 1945: Musik zum Zuhören statt zum Tanzen.
Nach dem Krieg wurden die Bigbands zu teuer – und einigen jungen Musikern zu brav. In kleinen Gruppen spielten sie schneller, verwinkelter und lauter, mit Themen, die man kaum mitsummen kann. Das war der Bebop. Zum Tanzen taugte er nicht mehr; die Leute setzten sich hin und hörten zu.
Dieselben Akkorde, dasselbe Instrument – nur doppelt so schnell, mit mehr Tönen und überraschenden Wendungen.
Und dann wurde es leiser, und dann freier
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Merke
- Bebop – schnell, kleine Besetzung, zum Zuhören.
- Cool Jazz – leiser, weicher, mehr Ruhe.
- Modal Jazz – wenige Akkorde, dafür lange Strecken zum Improvisieren.
- Free Jazz – ohne festes Schema, ohne feste Tonart.
Jazz heute
Seit 1970: Jazz mischt sich mit allem.
Der Jazz hat aufgehört, eine einzige Musik zu sein. Er steckt heute in vielem drin – und holt sich umgekehrt, was er brauchen kann: E-Instrumente, Rhythmen aus Brasilien und Kuba, Beats aus dem HipHop.
Fusion
Ab etwa 1970 nehmen Jazzmusiker E-Piano, E-Bass und Schlagzeug aus dem Rock dazu. Die Stücke werden lang, laut und elektrisch.
Latin
Aus Brasilien kommt die Bossa Nova, aus Kuba der Latin Jazz: andere Rhythmen, kein Swing – dafür ein Muster, das sich über zwei Takte spannt.
Jazz und HipHop
Seit den Neunzigern sampeln HipHop-Produzenten alte Jazzplatten – und Jazzbands spielen über HipHop-Beats. Der Kreis schließt sich: Beide Musiken kommen aus derselben Ecke.
Und bei uns?
Jazz ist längst überall zu Hause: in Skandinavien, in Polen, in Südafrika – und in Deutschland, wo es an vielen Musikhochschulen Jazzstudiengänge gibt und in fast jeder größeren Stadt einen Jazzklub.
Zum Hören (wenn die Dateien auf dem Server liegen)
Dein eigenes Solo
Zwölf Takte Blues, sechs Töne – mehr braucht es nicht.
Die Band spielt für dich: Walking Bass (vier Viertel pro Takt), Becken und Klavier. Du spielst dazu die Blues-Tonleiter. Jeder dieser Töne passt – du kannst nichts falsch machen, nur unterschiedlich spannend.
Am Rechner gehen auch die Tasten a s d f g h.
Rezept für ein gutes Solo
- Fang mit einem Ton an und bleib eine Weile dabei.
- Lass Pausen. Die Band spielt weiter – Stille ist auch Musik.
- Wiederhol dein Motiv zwei- oder dreimal, dann ändere es.
- Hör auf die Band: Wenn der Bass läuft, kannst du ruhig sein.
Dein Solo mitnehmen
Der Jazzkeller merkt sich, welche Töne du gespielt hast, und rechnet daraus mit der Band eine MP3 – auf dem Gerät, nichts geht dafür ins Internet.